Der
Eispickel
Der
Eispickel ist beim Bergsteigen und für Hochtouren ein unverzichtbares,
vielseitiges und manchmal
sogar lebensrettendes Werkzeug. Entsprechend sorgfältig sollte man beim Kauf
eines Eispickels vorgehen.
Eispickel
erfüllen im Bergsport viele unterschiedliche Funktionen:
• Unterstützung beim Gehen auf Schnee, Firn und Eis
• Abbremsen eines Sturzes auf Schnee- oder Firn- und Eishängen
• Sondieren der Schneeauflage auf Gletscherspalten
• Eisklettern
• Anker zur Sicherung einer Seilschaft oder Spaltenbergung
• Schlagen von Stufen in steileren Eiswänden
Bei
dieser Vielzahl von Einsatzbereichen leuchtet sicher ein, dass beim Kauf des
Eispickels nicht am falschen
Ende gespart werden sollte. Denn im hoffentlich nie eintretenden Ernstfall soll
er schließlich das eigene Leben
oder das der Bergkameraden retten!
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Der
Schaft eines
Eispickels ist meist aus verstärktem Alu. |
Hier
gibt es zwei Modelle, welche man an einer kreisförmigen Stanzung im Kopf
erkennt. Basis-Eispickel haben
einen B-Schaft mit einer Bruchlast von 250 kg.
Siehe Aktualisierung am Ende des Artikel.
Technische Eispickel mit T-Schaft dagegen eine Bruchlast von 350 kg (bei jeweils
50cm Länge).
Letztere sind entsprechend schwerer. Ein B-Schaft ist absolut ausreichend für
einfache Hochtouren.
Bei schwereren, technischeren Touren oder wenn der Eispickel zur Sicherung
verwendet wird, ist jedoch ein
T-Pickel zu empfehlen.
Beim Eisgrundkurs wird der Pickel zum vielfältig benutzt, also ist hier ein T-Pickel
die zu empfehlende Wahl.
Es reicht auch ein B-Pickel mit einigen Einschränkungen (z.B. raten ich bei der
Übung "Stufen schlagen"
Teilnehmern mit B-Pickeln zu pausieren)
Der
Schaft
Der
Schaft schließt mit einer Spitze ab,
welche bei den besseren Modellen ebenfalls aus geschmiedetem Stahl
gefertigt wird. Vermeiden sollte man Eispickel mit einem offenen Ende. Hier
sammelt sich bei Gebrauch gerne
Eis im Schaft, was zusätzlicher Ballast ist. Das tropfende Schmelzwasser auf
der Rückreise von der Tour nervt
dann zusätzlich.
Manche
Schäfte haben einen gummierten Griff oder
sind vollständig gummiert. Dies verbessert den Griff gerade
auch wenn es nass ist. Gänzlich ohne Gummierung würde ich ihn wegen dem
mangelnden Griff nicht empfehlen.
Eine
Handschlaufe oder die
Fixierung am Klettergurt mittels Bandschlinge ist sehr zu empfehlen. Zwar sieht
man
häufig Bergsteiger ohne Handschlaufe, ich frage mich aber jedes mal was die
machen, wenn sie den Pickel
verlieren. Im schlechtesten Fall ist man ganz schön aufgeschmissen oder der
nachsteigende Seilpartner bekommt
ihn ab.

Die
wichtigste Frage vor dem Kauf eines Eispickels ist der zukünftige
Einsatzbereich. Wird er für Gletscher-
und Skitouren, technisches Bergsteigen oder gar Eisklettern benötigt? Für jeden
dieser Einsatzbereiche gibt
es unterschiedliche Formen und Längen.
Als
Daumenregel gilt: je steiler und schwieriger das Gelände, desto kürzer der
Pickel und desto stärker die
Krümmung des Eispickels im oberen
Bereich des Schafts. So sind Gletscherpickel für leichte und mittlere
Gletschertouren normalerweise relativ lang und gerade. Mit zunehmender
Steilheit des Geländes ist die Länge
des Eispickels jedoch eher hinderlich.
Die
Krümmung im oberen Bereich des Schafts erleichtert im steilen Gelände die
Handhabung des Pickels. Das
erklärt auch, warum die Eispickel für das Eisklettern, die sogenannten
Eisgeräte, eine sehr starke Krümmung haben.
Die Haue muss in steiles bis senkrechtes Eis geschlagen werden und der
Kletterer hängt sich an das Eisgerät.
Damit die Haue nicht aus dem Eis rutscht, braucht es die Krümmung. Dadurch wird
der Zug nach unten übertragen
und die Haue wird durch die Druckschmelze tiefer in das Eis getrieben. Gerade
Schäfte dagegen erschweren das
Einschlagen der Pickelhaue und bewirken eine wesentlich schlechtere
Lastübertragung.
Der
Pickel sollte bei ausgestrecktem Arm bis zum Fußknöchel gehen. Damit kann man bequem Schneefelder
queren. Je steiler jedoch das Gelände desto kürzer der Pickel. Für die Länge
einen Maßstab in die Hand nehmen,
aufrecht hinstellen, Hand nach unten hängen lassen, und Länge bis zum Fußgelenk
ablesen= Pickellänge.
Tendenziell sollte man eher eine kürzere Länge wählen.
•
Gelegentlicher saisonaler Gebrauch = 6 bis 15 Jahre.
• Regelmäßiger Gebrauch in schwierigen Gelände und Wasserfällen = 4 bis 6
Jahre.
• Häufiger professioneller Einsatz = 3 bis 5 Saisonen.
Beim
Pickel sollte man nicht sparen, hier geht es um die persönliche und die
Sicherheit der Partner. Und als
persönliches Anliegen möchte ich jedem ans Herz legen, sich einen Gummischutz
für Haue, Schaufel und
Schaftspitze zuzulegen. Als Schutz für die Spitze tut es auch ein angebohrter
Sektkorken, denn die Gummis
gehen oft verloren. Zerkratzte Seitenwände im Auto sind zu verkraften,
Kratzer im Gesicht von Mitmenschen
in vollen Zügen oder Löcher in deren Kleidung sorgen dagegen nicht gerade für
ein gutes Image des Bergsports.
Aktualisierung
Im
Mai 2011 wurde eine überarbeitete Norm veröffentlicht, welche den ehemaligen
B-Pickel als "Typ 1" und den
T-Pickel als "Typ 2" bezeichnet, wobei leider jetzt die
Schaftfestigkeit bei beiden gleich ist, was ich persönlich bedauere.
Bei über 2.000 Teilnehmern (über 1.000 alleine in den Eisgrundkursen) habe ich
bei 8 Pickeln verbogene Hauen oder
gebrochene Schaufeln und bei 2 Pickeln merkwürdige Veränderungen im Schaft erlebt. Niemals war
dadurch eine
gefährliche Situation
entstanden, jedoch empfehle ich aus dieser Erfahrung den T-Pickel (zukünftige
Bezeichnung Typ 2).
Kaufempfehlung:
Im Augenblick (Januar 2012) habe ich weder auf Webseiten von Herstellern noch in
den von mir
besuchten Läden Pickel mit der neuen Normkennzeichnung gefunden. Daher empfehle
ich am Kauf Interessierten
solange man noch T-Pickel kaufen kann diese zu kaufen.